Schleusen in Kiel: Großbaustelle bringt Verkehr und Bauprojekt ins Wanken

Die Schleusenanlage in Kiel, die seit über 100 Jahren in Betrieb ist, steht vor einer umfangreichen Sanierung. Die kleinen Schleusenkammern, die bereits 1895 errichtet wurden, mussten aufgrund erheblicher baulicher Schäden im Jahr 2014 außer Betrieb genommen und mit Sand verfüllt werden. Nun plant man den Neubau dieser Schleusen, gefolgt von der Renovierung der großen Schleusenkammern. Doch was bedeutet diese Großbaustelle für den Verkehr und das Bauprojekt insgesamt?

Eine Mammutaufgabe auf mehreren Ebenen

Das geplante Mammutprojekt wird mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen und mit hohen Kosten verbunden sein. Allein für den Ersatzbau der kleinen Schleusen sind rund 650 Millionen Euro veranschlagt. Derzeit sind Kampfmittelsondierungen auf den Landflächen der Schleusenanlage im Gange, bei denen 31.000 Löcher gebohrt werden müssen. Projektleiter Leif Kruse vom Wasserstraßen-Neubauamt (WNA) hofft, dass bei den Sondierungen nur Kleinmunition und keine Bomben gefunden werden.

Die logistische Herausforderung: Verkehr und Transportwege

Während der Planungsphase wurden verschiedene Aspekte berücksichtigt, darunter die Verkehrsführung und Transportwege während der Bauphase. Um den Baustellenverkehr zu bewältigen, müssen spezielle Anleger in der Wik errichtet werden, um entweder Lkw zur Schleuseninsel zu transportieren oder Material per Schiffsweg zu befördern. Ein Verkehrsgutachten sieht die Einrichtung eines Kreisverkehrs für Lkw-Transporte durch die Wik vor, wobei bestimmte Industriestraßen als geeignete Verkehrswege identifiziert wurden.

Die Bedeutung des Wasserwegs für Anwohner und Umwelt

Anwohner haben Bedenken hinsichtlich des zunehmenden Lkw-Verkehrs in ihren Straßen geäußert und plädieren dafür, den Wasserweg für Transporte zu nutzen. Jirka-Niklas Menke vom WNA betont, dass die Entscheidung über die Transportwege letztendlich beim ausführenden Bauunternehmen liegt, das wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen muss. Dennoch wird angestrebt, den Großteil des Verkehrs über den Wasserweg abzuwickeln, um die Belastung für die Anwohner zu minimieren.

Ein Blick in die Zukunft: Die neue Schleuse und ihre Bedeutung

Die geplante neue Schleuse wird voraussichtlich acht bis zehn Jahre in Anspruch nehmen und etwas größer als ihr Vorgänger sein. Sie soll Schiffe mit einer Länge von bis zu 155 Metern passieren lassen. Für die Berufsschifffahrt ist die Mittelmauer mit dem Schleusenleitstand vorgesehen, während Sportschiffer vorrangig die Seitenmauern nutzen sollen. Mit einer geplanten Lebensdauer von 100 Jahren und der Möglichkeit einer späteren Erweiterung durch eine zweite Ausbaustufe wird die neue Schleuse einen wichtigen Beitrag zur Schifffahrt leisten.

Abschließend betont Menke, dass erst nach der Fertigstellung der kleinen Schleusenanlage die Renovierung der großen Schleusenkammern beginnen kann. Dies wird ebenfalls mehrere Jahre in Anspruch nehmen, aber letztendlich zu einer moderneren und effizienteren Schleusenanlage in Kiel führen. Die kommenden Jahre werden also von Baustellenlärm und Logistik geprägt sein, aber die langfristigen Vorteile für den Schiffsverkehr und die Infrastruktur der Region werden die Mühen lohnen.