Riesenthermoskanne am Heizkraftwerk: Neue Energiequelle in Sendling
München – Die zwei bekannten weißen 130-Meter-Kamine des Heizkraftwerks Süd in Sendling prägen die Münchner Skyline. Doch in den letzten 15 Monaten ist neben ihnen ein beeindruckendes Monument in die Höhe gewachsen – ein monströser, rostroter, zylindrischer Metallkoloss, halb so hoch wie die Frauenkirche.
Ein neuer Heißwasserspeicher für Fernwärmewasser, knapp 50 Meter hoch und mit einem Durchmesser von etwa 40 Metern, thront nun zwischen dem Kraftwerk und der Geothermieanlage direkt an der Isar. Die Stadtwerke München (SWM) haben diesen imposanten Speicher, den sie liebevoll “Riesenthermoskanne” nennen, in Zusammenarbeit mit dem Industrieanlagen-Dienstleister Bilfinger errichtet. Dieser Schritt soll nicht nur die Effizienz des Kraftwerks steigern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Die Aussicht vom gewölbten Dach des neuen Wärmespeichers auf München ist atemberaubend. Gerade wird der Metallzylinder mit Fernwärmewasser befüllt, während die Bauarbeiten noch in vollem Gange sind. Ein Gerüst umgibt den Speicher, und eine schier endlose Außen-Wendeltreppe führt zum Dach. Alternativ kann man auch den offenen Baustellenlift nutzen, der langsam an der Außenwand entlang nach oben ruckelt, begleitet vom pfeifenden Wind.
### Ein Meilenstein in der Fernwärmeversorgung
Der neue Heißwasserspeicher hat eine Kapazität von sagenhaften 57 Millionen Litern Fernwärmewasser. Laut Ingenieur Andreas Appel von den SWM entspricht diese Menge der Füllmenge von Badewannen in jedem zweiten Münchner Haushalt. Dieser Speicher dient dazu, die Fernwärmeversorgung für Tausende Münchner Haushalte in den Stadtteilen Innenstadt, Sendling und Perlach effizienter zu gestalten.
Die Stadtwerke nutzen die Kraft-Wärme-Kopplung am Standort Süd, um sowohl Strom als auch Fernwärme zu erzeugen. Dabei produzieren Gasturbinen Strom, und die entstehende Abwärme wird genutzt, um Wasser zu erwärmen, das dann als Fernwärme an die Haushalte geliefert wird. Durch den neuen Speicher kann überschüssige Wärme gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden, wenn sie benötigt wird.
### Ein Blick in die Zukunft der Energieerzeugung
Die Befüllung des Riesenspeichers hat begonnen, und täglich fließen 30.000 Liter Wasser pro Sekunde hinein. Dieses Wasser, das eine aufbereitete Form von Trinkwasser ist, wird dem Speicher zugeführt, um die Fernwärmeversorgung zu optimieren. Der Bau des Speichers soll im Sommer abgeschlossen sein und spätestens im Herbst betriebsbereit sein.
Das Heizkraftwerk Süd in Sendling blickt auf eine lange Geschichte der Energieerzeugung zurück, die vor 126 Jahren begann. Von der Verbrennung von Kohle über die Nutzung von Müll bis hin zur modernen Erdgas-Kraft-Wärme-Kopplung hat sich die Anlage stetig weiterentwickelt. Die Stadtwerke München verfolgen ehrgeizige Ziele, um den Energiebedarf der Stadt nachhaltig zu decken und die Fernwärme klimaneutral zu erzeugen.
Der Bau der neuen “Riesenthermoskanne” ist Teil einer umfassenden Modernisierungsaktion am Standort Sendling. Neben der Geothermieanlage, die bereits seit 2021 Öko-Fernwärme liefert, werden auch die Gas- und Dampfturbinenanlagen des Kraftwerks modernisiert, um die Effizienz zu steigern. Die Stadtwerke München haben sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 die Fernwärme vollständig klimaneutral zu erzeugen, und setzen dabei verstärkt auf erneuerbare Energien wie Geothermie.
Der Bau des neuen Heißwasserspeichers markiert einen wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen und effizienten Energieversorgung in München. Mit dem Zusammenspiel von innovativen Technologien und dem Engagement der Stadtwerke wird die Zukunft der Energieerzeugung in der bayerischen Landeshauptstadt entscheidend geprägt.