Ischgl nach Corona: Rückkehr zur Normalität in der beliebten Skiregion
Ischgl, einst Synonym für den verantwortungslosen Umgang mit der Coronapandemie, steht heute vor einer neuen Realität. Vor fünf Jahren wurde die Après-Ski-Hochburg international bekannt, als sich zahlreiche Menschen mit Covid-19 infizierten. Jürgen Stang, ein Maurermeister aus Langenfeld, ist einer von ihnen. Seit 1991 besuchte er Ischgl regelmäßig zum Skifahren, bis er 2020 schwer erkrankte.
Die Ereignisse in Ischgl haben tiefe Spuren hinterlassen. Die österreichische Bundesregierung erklärte Ischgl und das Paznauntal erst am 13. März 2020 zum Risikogebiet, obwohl bereits Tage zuvor Covid-19-Fälle bekannt waren. Jürgen Stang infizierte sich in Ischgl und kämpfte ein Jahr lang mit den Folgen. Er zog sogar vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, um die Behörden zur Verantwortung zu ziehen.
Die Ischgl-Affäre führte zu zahlreichen Klagen und einem Untersuchungsbericht, der das Versagen der Behörden aufdeckte. Trotzdem wurden alle Klagen in Österreich zurückgewiesen. Die Gemeinde Ischgl weigert sich heute, über diese Zeit zu sprechen, und behauptet, die Pandemie gehöre der Vergangenheit an. Doch die Spuren des Ausbruchs sind noch deutlich sichtbar.
Ein zentraler Ort des Geschehens war das berühmte “Kitzloch”, eine Après-Ski-Bar, die zum Hotspot des Ausbruchs wurde. Hier infizierten sich die ersten Menschen mit Covid-19, was zu einer chaotischen Massenabreise und zur Schließung der Bar führte. Der Wirt, Bernhard Zangerl, musste sich vor der Weltöffentlichkeit rechtfertigen und kämpft heute um die Wiederbelebung seines Geschäfts.
Die Pandemie hat auch die Skiwirtschaft Tirols erschüttert. Franz Hörl, ein wichtiger Vertreter der Tourismusbranche, setzt weiterhin auf den Skitourismus, obwohl die Auswirkungen des Klimawandels spürbar sind. Die FPÖ hingegen nutzte die Pandemie geschickt für ihre politischen Zwecke und erlangte dadurch an Einfluss.
Die Folgen des Ausbruchs in Ischgl sind bis heute spürbar. Der Aktivist und Lokalpolitiker Mesut Onay kämpft für die Rechte von Saisonarbeitern und kritisiert die mangelnde Reformbereitschaft nach der Pandemie. Ischgl und Tirol stehen vor der Herausforderung, sich auf eine neue Realität vorzubereiten und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.
In Langenfeld wartet Jürgen Stang weiterhin auf Gerechtigkeit und hofft, dass seine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Gehör findet. Trotz der Schwierigkeiten ist er entschlossen, bis zum Ende zu kämpfen.
Die Rückkehr zur Normalität in Ischgl ist geprägt von den Lehren aus der Pandemie und den Bemühungen, eine nachhaltigere Zukunft für die Skiregion zu gestalten. Die Ereignisse in Ischgl haben gezeigt, wie fragil der Tourismussektor ist und wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen und aus der Vergangenheit zu lernen.