Der Fall Letby: Aufdeckung einer kontroversen Mordserie
Manchester, 15. März 2025 – 07:30 Uhr
Die britische Krankenschwester Lucy Letby wurde zu lebenslanger Haft verurteilt wegen des Mordes an sieben Babys und des versuchten Mordes an sieben weiteren. Die Schlagzeilen über Letbys Verurteilung im August 2023 als “Monster auf Station”, “Großbritanniens schlimmste Kindermörderin” und “Augen des Bösen” überschwemmten die Medien. Mit einer fünfzehnfachen lebenslangen Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Entlassung schien Letbys Schicksal besiegelt.
Doch anderthalb Jahre nach dem Prozess werden Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Urteils laut. Experten kritisieren die Beweisführung der Staatsanwaltschaft vehement. Ein internationales Gremium führender Neonatologen und Experten zweifelt sogar daran, dass überhaupt Morde begangen wurden.
Die Hintergrundgeschichte
Der Fall Letby nahm seinen Anfang auf der Intensivstation für Neugeborene des Countess of Chester Hospitals in Nordwestengland. Eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen bei Frühgeburten und Kindern mit komplizierten Geburten weckte das Misstrauen von zwei aufmerksamen Ärzten. Sie stellten fest, dass die Anwesenheit von Letby bei vielen Todesfällen auffällig war und alarmierten zunächst die Krankenhausverwaltung und dann die Polizei.
Trotz fehlender Beweise für strafbares Verhalten setzten die Ermittler die Operation “Hummingbird” in Gang. Warnungen eines Statistikexperten wurden ignoriert, und ein fragwürdiges Dokument, das Letbys Anwesenheit mit den Todesfällen in Verbindung brachte, als Beweis vorgelegt. Doch es fehlten klare Beweise für ihre Schuld.
Die Expertenmeinungen
Ein pensionierter medizinischer Gerichtsgutachter, Dr. Dewi Evans, spielte eine entscheidende Rolle bei der Anklage Letbys. Er behauptete, dass die Morde mit subtilen und dämonischen Methoden begangen worden seien, darunter das Einspritzen von Luft in die Blutbahn und überhöhte Insulindosen. Diese Erklärungen stießen auf heftige Kritik und Zweifel bei anderen Experten, darunter Dr. Shoo Lee, ein führender Neonatologe aus Kanada.
Ein internationales Gremium von 14 renommierten Medizinern, darunter Professor Helmut Hummler aus Deutschland, überprüfte die Fälle und kam zu dem Schluss, dass es keine Hinweise auf Morde gab. Sie stellten gravierende Behandlungsfehler und eine chaotische Arbeitsumgebung auf der Station fest, die zu den Todesfällen beigetragen haben könnten.
Die rechtlichen Konsequenzen
Letbys Verurteilung stützte sich auf Indizien wie handgeschriebene Notizen, die sie als schuldig erscheinen ließen. Trotz ihrer Erklärung, dass sie in psychische Schwierigkeiten geriet und ihre Gedanken niederlegte, wurde sie verurteilt. Die Entscheidung über einen neuen Prozess hängt nun von einer Justiz-Kommission ab, was Jahre dauern kann.
Die Polizei untersucht derweil, warum Letby nicht früher gestoppt wurde, und ermittelt gegen ihre ehemaligen Kollegen wegen fahrlässiger Tötung. Doch die Frage bleibt: Was, wenn Letbys Verurteilung auf einem fatalen Irrtum beruhte?
In einem öffentlichen Plädoyer werden die Schlussfolgerungen erwartet, während die Zukunft von Letby weiter ungewiss ist. Die tragische Geschichte von Lucy Letby wirft nicht nur Fragen über die Gerechtigkeitssysteme auf, sondern auch über die Grenzen menschlichen Vertrauens und Fehlurteile, die Leben zerstören können.