Blütenzauber im Kunstpalast Düsseldorf: Erfahren Sie die prächtige Schönheit
Die Kunstwelt mag es vielleicht belächeln, wenn Blumen plötzlich die Museumsräume erobern. Schließlich sollte die Aufmerksamkeit ganz der Kunst gelten. Wer braucht da schon Blumen? Doch diese blühenden Kreationen sind eine Augenweide – und ein wunderbarer Anlass, in den kommenden Frühlingstagen die städtische Kunstsammlung am Ehrenhof zu besuchen. Ein zarter Duft durchzieht die Säle und lockt die Besucher an. Zum zweiten Mal lädt Generaldirektor Felix Krämer zum „Palastblühen“ ein. Dabei wird deutlich, dass einige der Arrangements die Qualität vergänglicher Skulpturen besitzen.
Palastblühen: Generaldirektor Felix Krämer zeigt sich begeistert von den blumigen Werken in der städtischen Kunstsammlung. Foto: bikö
“Ja, für mich ist das Kunst”, betont Felix Krämer entschieden. Ähnliche Veranstaltungen kennt er aus dem amerikanischen Kulturkreis, wo die Grenze zwischen ernsthaften Ansprüchen und unterhaltsamen Methoden nicht so strikt gezogen wird wie in Deutschland. Der Erfolg des experimentierfreudigen Institutsleiters zeigt sich deutlich: Beim ersten Palastblühen vor einem Jahr kamen 26.000 Besucher und verbreiteten begeistert Fotos von den floralen Kunstwerken. Eine bessere Werbung für das Museum und die Floristen ist kaum denkbar. “Win-Win”, freut sich Krämer.
Freche Blumen: Die falsche Mona Lisa von Moritz Röbbecke und das Arrangement „Zwischen Blüte und Illusion“ von Florist Dominik Zelles. Foto: bikö
Ein Teppich aus Blumen erwartet die Besucher. Manfred Hoffmann, ein Blumenkünstler aus Gerresheim, hat einen sieben Meter langen, nach Heu duftenden Teppich aus heimischen und exotischen Blüten, Gräsern und Zweigen gewoben, der vor den Kirchenkunstwerken und Madonnen des Spätmittelalters liegt und hängt. Er beschreibt sein Werk als “für die Religionen der Welt”. Victoria Bernds hingegen huldigt dem Bild der Muttergottes mit einem Arrangement aus Calla, Tulpen, Ranunkeln, Skabiosen und Anthurien, das sie als “Weiche Klarheit” bezeichnet.
Den Religionen der Welt widmet der Gerresheimer Florist Manfred Hoffmann seinen Teppich aus Blüten, Zweigen und Gräsern. Foto: bikö
In einem abgedunkelten Raum, vor düsteren Motiven, schafft Kristina Janet Schacke eine melancholisch-violette Blumeninstallation aus Vanda, Calla und Aubergine (“Gegen den Strom”). Wie eine Wolke schwebt ein Gebinde aus Schleierkraut unter der Galeriedecke, geschaffen von Floristin Jule Schnaugst. Michael Frings wiederum umgibt das “Schlafende Mädchen” von Hans Op de Beeck mit einer Dornröschenhecke aus zarten Blüten.
Schleierkraut an Skulptur: Der Florist Michael Frings schuf eine Art Blütenhecke für ein „Schlafendes Mädchen“ auf der grauen Bronzecouch von Hans Op de Beeck. Foto: bikö
Die blühenden Installationen konkurrieren lustvoll mit der Kunstwerken und stehlen ihnen gelegentlich die Show. Floristmeister Victor Breuer beispielsweise platzierte eine Fülle von exotischen Blüten und knorrig knospenden Frühlingszweigen auf Holzmöbeln im Wendeltreppensaal, wo Rubens “Himmelfahrt Mariens” und das Wandobjekt von El Anatsui hängen. Mit dem Titel “Es bitten zu Tisch – Rubens, El Anatsui und Breuer” knüpft er gekonnt an die Sammlung an.
Blühende Einladung des Floristmeisters Victor Breuer: „Es bitten zu Tisch – Rubens, El Anatsui und Breuer“. Foto: bikö
Die 13 beteiligten Floristen aus acht Düsseldorfer Fachgeschäften erhalten von Krämer Lob für ihre “Kreativität, Witz und intelligenten Bezüge”. Humorvoll kommentiert Alla Mandic von Nymph Blumen mit ihrem “Blumigen Kopfschmuck” eine Regalreihe historischer Kappen. Auch die reine Schönheit kommt nicht zu kurz, wie Victoria Bernds’ “Synthese” von Rosen und Ranunkeln zeigt.
Zauberhafte Begegnung: „Zwei Mädchen am Brunnen“ von Eduard Bendemann und die passenden Blumen von Victoria Bernds. Foto: bikö
Das “Palastblühen” mit 28 floralen Arrangements unter der Projektleitung von Lena Spoo ist bis zum 30. März in der Sammlung des Düsseldorfer Kunstpalastes zu bewundern. Die Ausstellung ist täglich, auch montags, von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags sogar bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 16 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.